Ich halte ein Heft in den Händen, die Nullnummer eines Magazines, eines Journals. Ich begebe mich nicht auf meinen Balkon, sondern bleibe in meinem Kämmerlein, denn es fehlt dem neuesten Weddingpublikat noch der Titel. Ich bin gespannt, welcher Name das Rennen macht: Brunnen 1/4, Brunnenpresse, Pinar oder Brunnenkresse. Ich bin noch unschlüssig, wo ich mein Häkchen setzen sollte.
Da das Magazin nur zwei LOR zum Thema hat, bietet sich als Überschrift natürlich soetwas wie „nebenan“, „Hallo Nachbar“ oder „hier“ an. Der Titel „nah“ fällt mir ein, ich sehe ihn in großen Lettern auf dem Magazin – doch, würde mir sehr gut gefallen. Ebenso überzeugt (bei entsprechendem Design) bin ich vom unbestimmten – nur eben in zeitlicher Perspektive – „neulich“.
Aber es soll eine berliner Note in den Titel hinein, deshalb müsste vielleicht kiez im Titel vorkommen. Dann wäre „kiez mal“ oder „kieckz mal“ das richtige. Seit Obama wäre vielleicht auch „mykiez“ zeitgemäß.
Denkt man an die Ackerstraße im Brunnenviertel liegt natürlich soetwas wie „Rain“ nicht weit, es geht ja auch in ökonomischer Hinsicht um einen Rand-Ortsteil; und lautsprachlich klingt es wie die Aufforderung zum reinschauen.
Weniger assoziationsreich gedacht und ein klein wenig konkreter und mit Bezug zum Brunnen wären die kneipenhaften „Jungbrunnen“, „Brunnen-Eck“, „Brunnenmagazin“. Die fallen also aus.
Es ist nicht so leicht, einen Titel zu finden. Nur – warum denke ich eigentlich über Titel nach, fällt mir da auf. Es liegen noch so viele Stichwortzettel über Projekte auf meinem Schreibtisch, über die ich noch nicht berichtet habe. Ich muss mich konzentrieren, schimpfe ich mich selbst.
Ich reiche hiermit den Springbrunnen ein. Der ist so lebendig!